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12. April 2004
...und noch ein Trikot und ein Paar Turnschuhe - mehr braucht man nicht zum Tisch-Tennis spielen. Vor 50 Jahren wie heute - daran hat sich fast nichts geändert. Doch dieses "fast" hat es in sich: Frischkleben, Angriffshölzer, Spinnbeläge, Testkoffer - dies könnte die Übersetzung sein. Auch am Material sind die letzten 50 Jahre nicht spurlos vorübergegangen. Immer schneller, immer besser, immer aktueller - dies gilt auch für den Tisch-Tennis-Sport.
Von den Ablagetischen als Plattenersatz war in der Chronik schon die Rede. Da sind unsere Tunierplatten neuester Generation schon etwas ganz anderes. Nicht einmal die praktischen wetterfesten Platten für den Garten kommen da heran. Aber teurer sind sie auch - obwohl Ablagetische in Ministerien sicherlich auch nicht ganz billig waren. 1000,- DM muß man schon auf den Tisch (oder die Platte) legen - dafür ist sie dann auch klappbar. Gut - das lassen wir also gelten.
Auch ein selbstgebasteltes Netz muß nicht unbedingt sein. Aber wenn es denn die richtige Höhe hat und der Ball nicht durch die Maschen fliegen kann - warum nicht! Aber halt! Das Emblem vom Verband muß ja drauf sein. "DTTB/ITTF zugelassen" heißt das dann. Dafür muß man dann aber auch einen Hunderter hinlegen. Aber spätestens, wenn die ersten "Nassen" des Gegners über die Netzkante tröpfeln, sind auch hier die letzten Zweifel beseitigt.
Fehlt noch der Ball. Rund soll er sein und möglichst ein paar Sterne haben. Was war man doch als Kind neidisch, wenn der Freund mit einem 1-Sterne-Ball daherkam. Da wurde das eigene "Gipsei" schnell in die Hosentasche gesteckt. Und abends kamen die zerbeulten Bälle in heißes Wasser und ruck zuck waren sie wieder wie neu. Risse im Ball bedeuteten nur, daß man noch vorsichtiger damit umgehen mußte. Heute spielt sich unter "Drei-Sterne-Schwarz", Stück zu zwei Mark, gar nichts mehr ab. Obwohl manche erst durch Zufall merken, wenn sie mal mit einem Trainingsball zu 30 Pfennig (ohne Sterne) gespielt haben.
Wie die ersten Trikots bei Union im Jahre 1947 ausgesehen haben, wissen wir nicht. Vermutlich war man froh, überhaupt ein Hemd für den Sport erübrigen zu können. Später wird es dann vermutlich grün gewesen sein. Das erste verbriefte Einheitshemd des Vereins war Ahorn´s "russisch-grün". Doch inzwischen merkten TT-Ausrüster, daß man am allgemeinen Modeboom mitverdienen kann. Seitdem geht´s bunt her im Tisch-Tennis und beim TTC-UNION. Aber sonst ziehen wir ja auch keine Sachen an, die aus der Mode gekommen sind - jedenfalls meistens nicht. Warum soll das also beim Tisch-Tennis anders sein. Obwohl so mancher übergewichtige Alt-Nationaler in kanariengelb mit papageienfarbenen Aplikationen schon recht lustig aussieht. Vielleicht wäre "russisch-grün"........
Bleiben noch Schläger und Hölzer. "Wir haben uns ein Brett genommen und es zurechtgesägt. Wer einen Gumminbelag daraufkleben konnte, war schon was Besonderes" - so ein älterer Spieler, der heute mit seinem Brettchen (neuerdings heißt das "Barna-Holz") die jungen Hüpfer noch naß macht. Ein solides Holz und einmal im Jahr einen neuen Belag - das reichte jahrzehntelang, um mitzuhalten. Jedenfall in den Kreisklassen. Heute muß man für einen gescheiten Schläger schon über 200 Mark hinlegen und alle paar Wochen für 100 Mark die Beläge wechseln. Kein Wunder - die Gummis werden ja auch an einem Abend mehrfach vom Holz gelöst und wieder draufgeklebt. Ganz schön strapaziös. Zwischen Holz und Belag bildet sich durch den trocknenden Kleber eine Gasschicht, die den Ball noch schneller macht (oder machen soll?). Das geht zwar zu Lasten der Kontrolle, da schon mal ein Hubbel entsteht - aber was für die Bundeslige gut ist, kommt der Kreisklasse und den TT-Geschäften gerade recht.
Man sieht - auch beim Tisch-Tennis ist nicht mehr alles so wie früher. Warum auch, schließlich muß man ja mit der Zeit gehen. Nur ist manchmal etwas Augenmaß ganz gut. Und ab und zu sieht man auch noch einmal Spieler, dessen Schläger schon 25 Jahre alt ist oder aber funkelnagelneu, dafür aber von "Allkauf". Das Trikot erinnert an die Hemden unserer WM-Helden von 1954 und die Turnschuhe haben Namen, die es heute nicht mehr gibt. Und dennoch reicht es noch, um den ein oder anderen Spieler neueren Datums mit High-Tech-Ausrüstung und Sporttasche, in die andere das Gepäck für einen dreiwöchigen Urlaub hineinbekommen, von der Platte zu putzen.
Das ist Tisch - Tennis.
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